Ein Baby, meine Reise beginnt …

… am Nikolaustag 2025. Ich freu mich sehr darauf.

Ich bin 62 Jahre, mal jung, mal alt. Oma werden dazu trage ich nichts bei, nur die Geburt meiner Tochter.

Oma sein, das stelle ich mir wunderbar vor. Doch hätte ich mit einer derartigen Statusänderung so schnell nicht gerechnet. Es sollte eine Verlobung werden, das war schon Aufregung genug.

Ich habe zwei wunderbare Kinder „Shanice“ und „Calvin“. Beide um die dreißig Jahre alt, Shanice ist die ältere. Sie sind mit einem geringen Abstand geboren, 13 Monate sind sie auseinander, man spricht bei 10 Monaten Geburtsabstand von Pseudozwillingen.

Weil die beiden sich so sehr mögen, unterstützen und sich sogar seit einigen Jahren eine Wohnung teilen, behaupte ich, dass sie Pseudozwillinge sind. Sie würden, denke ich, nichts anders machen, wenn ihnen das Leben nicht in die Quere käme.

Ihr müsst wissen, ich war mit Ugur (gesprochen Ur mit gerolltem r), der Kindsvater (KV), im Oktober 25 einen Verlobungsring kaufen. Er fragte Shanice im November 25, während des Urlaubs in Thailand, ob sie den Rest des Lebens gemeinsam gehen. Das war schon sehr aufregend. Den Ring bewahrte ich bei mir im Schrank auf. Ab und zu holte ich ihn aus seinem Versteck und betrachtete ihn. Das war besonders schön, weil beim öffnen der Schatulle ein kleines LED Licht leuchtete.

Wie schon geschrieben, beginnt meine Reise am 6. Dezember 2025. Ugur, Shanice, Calvin und ich verabredeten uns, gemeinsam Essen zu gehen. Ich dachte: „Wir feiern die Verlobung“. Das hatte zwar keiner gesagt, aber auch nichts anderes. Ich wunderte mich nur, dass alle sich so schnell einig über die Örtlichkeit und pünktlich um mich abzuholen waren. Alles lief sozusagen „Reibungslos“.

Da bei uns traditionell am Nikolaustag kleine Geschenke untereinander getauscht werden, war es auch in diesem Jahr so. Wir reichten uns die Geschenke und alle schauten beim auspacken zu. Mein Geschenk war in einem Geschenkbeutel.

Ein Beutel mit getrockneten Cranberrys. Ich dachte, dass sie mir die schenken, damit ich wieder von den umwerfend leckeren Cookies backe, aber wieso wurde ich dabei gefilmt, das war doch nichts besonderes?!

Dann entdeckte ich ein beigefarbenes Textil. „Hmmmm, was könnte das sein“, dachte ich. Beim auseinanderfalten entpuppte sich ein winzig kleiner Body mit Aufschrift:

Body, Größe 50/56

Mir schossen tausend, abertausend Gedanken durch den Kopf. Und dann…. Mein Glücksgefühl. Unbeschreiblich, ich fing an zu weinen. Ein junger Mann, der das Restaurant betrat, fragte mich, ob er mich trösten dürfe. Alle standen schon um mich herum, ich bejahte und nahm den Trost gerne an.

Ich dachte an fast nichts anderes mehr. So schön es war, so unglaublich war es auch.

So ein Ereignis verändert vieles. Was mich gerade am meisten beschäftigte war die Tatsache, dass ich es nicht erzählen durfte. Shanice war im ersten Trimester, bevor das nicht absolviert war, wollten wir es nicht öffentlich machen. Außerdem war da ja noch die Verlobung! Die rückte ganz und gar in den Hintergrund, wir sprachen zwar darüber, beispielsweise wie der Ablauf des Antrags war, an welchem Ort, was der Grund für diesen Ort war und die lustigen Anekdoten rund um den Antrag. Schnell waren wir wieder bei unserem Hauptthema „Baby“.

Verlobungsring

Bisher war die Schwangerschaft durch mehrere Schwangerschaftstests aus der Apotheke als positiv bestätigt worden. Durch einen Besuch bei der Gynäkologin wollte sich Shanice Gewissheit verschaffen. Ich durfte sie begleiten. Jetzt hatte sie ihren Mutterpass, den Entbindungstermin (ET) und Gewissheit. Das Baby lag gut und sah auf dem Ultraschall fest eingenistet aus.

Das Kind soll am 25. Juli 2026 im Sternzeichen „Löwe“ geboren werden. So entstand der Name „Löwenkind“. Das erschien uns persönlicher, wenn wir uns über „das Baby“ unterhielten, nicht geschlechtsneutral anonymisiert.

Jetzt hatten wir Gewissheit, ein Kind entsteht, in Shanice´ Bauch. Unbeschreiblich schön und aufregend. In meinem Kopf entstanden tausend Pläne, wie beispielsweise: „ Müssen die beiden eine grössere Wohnung beziehen, heiraten sie noch vor der Geburt, wie wird das mit Shanice´ Arbeitsplatz, ihrer Karriere? Gerade sitzt sie bei ihrem Arbeitgeber fest im Sattel, macht über die IHK ihren Master in professionell Management und fühlt sich sehr wohl in ihrem Leben.

Im Sommer 2024 kaufte sie sich ein Motorrad. Eins ihrer drei Hobbys zu denen Bergsteigen und Snowboarden gehört. Zum Glück muss ich mir darüber keine Gedanken machen oder Antworten finden.

Mein Job ist „Oma“ sein.

Als ich kurz vor Weihnachten bei Senci, einem Mannheimer Stoffe- und Kurzwarengeschäft war, um Knöpfe zu kaufen. Fielen mir die vielen, schönen Stoffe mit Kindermotiven auf. Es waren bestimmt Hundert Stoffballen. „Warum bin ich nur wieder hier rein gegangen“, dachte ich vorwurfsvoll. Ich bekomme dann so viele Ideen und Lust Dinge zu nähen. Damit ich nicht unzählige Stoffe kaufte, nur weil sie mir gefielen, traf ich eine Vorauswahl und beschloss Calvin mit in meine Entscheidung einzubeziehen.

Gedacht, getan. Ein wats app Videocall mit Calvin brachte Gewissheit: Der Stoff mit dem Bärenmotiv sollte es sein. Dazu noch kuschelweichen Nickystoff ein bißchen Vlies zum fixieren und ein Samtband für den Rand.

Babydecke

Die Decken sind sehr schön geworden und Calvin war sehr erstaunt, mit dem Geschenk hatte er nicht gerechnet. Da ich genug Material von allem hatte, konnte ich zwei Decken nähen. So hat Mutter und Vater eine Decke und der Onkel hat eine. Wenn das Kind mal bei ihm kuschelt oder spielt. Calvin freut sich sehr auf seine zukünftige Rolle als Onkel. Sein Freund wird auch in diesem Jahr Onkel, so können die beiden sich austauschen.

Der Bauchumfang wuchs innerhalb von vier Wochen, vom 6.12.2025 bis 6.1.26 um drei Zentimeter. Das erste Trimester ist vorbei und die Müdigkeit ist seit ca. zwei Wochen überstanden. Übelkeit war nur ein kleines Thema, eher Unwohlsein am Anfang der Schwangerschaft.

Das erste Trimester ist geschafft. Ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass das Baby gut eingenistet ist, ist das mein Optimismus ?!

Trotzdem, die Unsicherheit bleibt. Man kann schon davon ausgehen, dass viele Fehlgeburten im ersten Trimester passieren. Laut Bundestag „Datenlage zu Fehlgeburten in Deutschland“ sind das ca. 25 % aller Schwangerschaften.

Der „Babybauch“ hat 95 cm Umfang.

Jetzt sieht man, dass es nicht der „Weihnachtsbraten“ ist nein, dieser „Braten“ hat Hände, Füße, Charakter und Herz und Eltern, die jetzt ganz viel organisieren müssen.

Shanice und ich sind im Kurpfalzcenter auf der Vogelstang. Wir haben beide Urlaub und gehen daher zusammen gemütlich einkaufen. Nach einem Fleischkäsebrötchen, diesmal mit Zwiebeln, entscheiden wir in das benachbarte Geschäft „Smyths“ zu gehen.

Wir erhoffen uns dort einen ersten Eindruck über Babytrage, Kinderwagen, Babybett, Autositze und alles was es sonst so braucht um Eltern und werdende Omas glücklich zu machen. Tatsächlich gibt es eine große Auswahl an Kinderwägen.

Im Unterschied zum Onlinekauf gewinnt hier eindeutig die Haptik. Es gibt so viel Farbnuancen, Materielle Unterschiede und Feinheiten, die Online nicht zur Geltung oder die man nicht „begreifen“ kann.

Dass es Spass macht, will ich nicht verschweigen. Am liebsten wäre ich bei jedem Einkauf fürs Baby dabei. Jetzt haben wir uns erst mal einen Eindruck verschafft. Frau muss ja wissen was sie will.

Es ist Samstag und Ugur und Shanice rufen mich per Videocall aus dem Superstore „Smyths“ an. „Aha“, dachte ich: „Jetzt wird es konkret“. Die beiden haben sich aus dem Pool einen Wagen ausgesucht und wollen meine Einschätzung wissen. Meines Erachtens sollte ein Kinderwagen Luftreifen haben, die meisten Kinderwägen fahren auf Plastikrädern. Aber damit kann ich hier niemanden überzeugen. Zumal die Verkäuferin auch nicht in das gleiche Rohr schießt wie ich. Jedenfalls haben sie sich einen Wagen ausgesucht und wollen, bevor sie entscheiden, darüber schlafen, um nichts zu überstürzen. Immerhin ist man da schnell 1000 € los und das sollte man eindeutig entscheiden.

Ich empfehle den beiden noch zu „Kinderwagen Loh“ in den D- Quadraten, hier in Mannheim, zu gehen. Es ist ja sicher nicht verkehrt mehrere Modelle zu sehen und die Meinung eines Fachberaters oder einer Fachberaterin zu hören.

Das Geschäft gibt es schon seit 1963 (mein Geburtsjahr). Eine Riesenauswahl und Fachberatung, ich denke mir, dass den beiden das gefallen könnte. Man merkt doch schnell, ob jemand nur verkauft, weil er den Umsatz machen, eventuell Provision verdienen oder den Kunden zufrieden das Geschäft verlassen sehen will. Außerdem mag ich, wenn kleine, ansässige Geschäfte unterstützt werden. Meines Erachtens haben diese Läden auch den Umsatz verdient, weil die Fachberatung, meisterlich ist, zumindest habe ich das in den meisten Fällen erlebt. Ich habe in diesem Geschäft schon den ersten Kinderwagen, damals für Shanice, gekauft und war sehr zufrieden.

Gesagt, getan. Es war Samstag, ca. 18:30 Uhr und trotz vorgerückter Stunde (das Geschäft schließt um 19 Uhr), wurden die beiden vorzüglich bedient, ohne Druck und das Gefühl, dass sie sich entscheiden oder das Geschäft schnell wieder verlassen müssen, weil die Fachberaterin Feierabend machen möchte.

Im Anschluss rufen sie mich an und teilen mir ihre Begeisterung über die Fachberatung und das damit verbundene Gefühl, eine gute Entscheidung treffen zu können, mit. Volltreffer. Sie sind angetan von allem, was ich beschrieben habe. Eine Kaufentscheidung gab es zu 80%, das freut mich sehr. Die Sache sollte „überschlafen“ werden, entscheiden die beiden.

Montags holt Shanice mich mit dem Auto von der Arbeit ab um den Kauf bei „Loh“ Dingfest zu machen. Ugur und Shanice sind sicher, die richtige Entscheidung zu treffen, nur noch den letzten Segen von „Mama“.

Wir probieren, unter fachlicher Beratung des Geschäftsinhabers, den am Samstag als Favoriten erkorenen Kinderwagen aus. Der Kinderwagen wird uns jetzt noch einmal aus der Originalverpackung in einer anderen Farbe vorgeführt und gewinnt.

Ein schöner, wendiger, leichter, sicherer Wagen in einer sehr schönen Optik.

Der Kauf des Kinderwagen war beschlossen.

Ein Autokindersitz sollte noch ausgewählt werden. Ich dachte an die Zeit vor ca. 30 Jahren, als ich die Entscheidung für den „Maxi Cosy“ Autokindersitz traf. Es gab „Maxi Cosy“ und billigere Modelle. Meine Prämisse war „Maximale Sicherheit“, beim Kauf irgendwelcher Dinge für die Kinder. Aber was ist schon maximale Sicherheit? Unter uns: „Gar nicht Autofahren mit Kind“, das ist zwar auch nicht 100% sicher, aber sind wir mal ehrlich. Ein Autositz kann noch so sicher vom TÜV frei gegeben und zertifiziert sein. Die Umstände spielen beim Unfall die Rolle, die letztlich entscheiden, wie der Unfall „Aus “ geht, oder wie die Verletzungen sind. Es können Dinge durch die Luft fliegen, es gibt einen Auffahrunfall bei dem mehrere Autos ineinander geschoben werden, das Auto überschlägt sich. Trotzdem, man will ja Auto fahren, auch mit Kind. Es gibt mittlerweile eine Riesen Auswahl an Autokindersitzen.

Der Fachberater ist angetan von dem Kindersitz, der sich drehen lässt. Das gab es früher auch nicht. Der Autositz wird im Fahrzeug an zwei ISOFIX Befestigungspunkten eingeklickt. und ist fest auf der Rücksitzbank fixiert. Der Sitz lässt sich bei Bedarf auf die Seite, auf der man das Kind aus dem Sitz herausheben will drehen. Eine sehr fortschrittlich, bequeme Sache. Seit den 2000 er Jahren schreitet die Verbreitung dieses Systems in Europa voran und seit 2013/2014 ist die i-Size-Norm (ECE R 129) Standard.

Da Shanice`Fahrzeug ein drei Türer, kein 5 Türer ist. Kommt das für sie nicht in Frage und sie entscheidet sich für ein anderes Modell. Dieses kann man auch, mit einem Adapter, auf den Kinderwagen setzen und einklicken. So kann man das Kind direkt aus dem Auto, mit dem Kinderwagen, weiter transportieren. Auch etwas sehr praktisches. Ich bin angetan von den Fortschritten. Ich musste mich ja jahrelang nicht mehr mit diesen Dingen auseinander setzen.

Die Sachen wurden mithilfe des freundlichen Ladeninhabers ins Auto geladen und warten nun im Keller auf ihren Einsatz. Das wäre geschafft.

Ich liege im Bett, bin gerade aufgewacht und denke über alles mögliche nach: “ Kaufe ich mir auch ein Beistellbett? Wenn Löwenkind mal bei mir schläft, muss es doch einen Platz haben!“

Der beste Platz ist bei den Eltern. Ein Beistellbett? Nein, das ist keine Option. Verlangt ja auch keiner und wenn ich nicht darüber spreche, kommt auch keiner auf die Idee….Ich bin wieder in der Realität, aber im Ernst. Es gibt schöne Reisebetten, die zusammengeklappt so groß sind, wie eine große Reisetasche.

Es übersteigt meine Vorstellungskraft, mir reale Gedanken zu machen wie es mal werden wird. Ich sehe mich oft, mit meinem Enkelkind an der Hand, die Dinge der Welt erklärend irgendwo spazieren laufen. In gut 6 Monaten laufen wir schon mit einem gefüllten Kinderwagen spazieren. Ich freu mich auf ein kleines Baby, das so süße Fratzen schneidet, in das man sich hunderte Male täglich verliebt. Auf ein kleines, süßes, hilfsbedürftiges Wesen, das so goldige Geräusche macht, pupst, schreit, schmatzt und mein Leben noch lebenswerter macht.

Ich bin sehr froh, dass das erste Trimester ohne Komplikationen und sanft verlaufen ist. Shanice hatte zwar Übelkeit, aber kein erbrechen, sie war stets sehr müde und fühlte sich energielos. Das machte ihr sehr zu schaffen. Aber ich denke, dass schlimmste wäre Übelkeit, noch dazu sich übergeben zu müssen, ich hatte solche Beschwerden ebenso nicht und war auch sehr froh darüber.

Das aktuelle Thema bei Shanice und Ugur ist die Planung der Elternzeit. Was, wann, wieviel, wo. Infos kommen nicht von allein, man muss sie sich holen. Umso wichtiger, dass man alle Infos an Jeden weitergibt, das habe ich mir in jedem Bereich, in dem ich über irgendwelche brauchbaren Infos verfüge zur Aufgabe gemacht. Es erleichtert so vieles. Es ging doch fast Jedem schon einmal so, dass man etwas gehört hat und dachte:“ Gut, dass wir darüber gesprochen haben, diese Info hatte ich noch nicht.“

Zur Zeit ist Shanice in Verhandlung mit ihrem Arbeitgeber um das Beste für sich und ihre Familie rauszuholen. Es gibt einige Optionen wie Teilzeit, Home Office, flexible Arbeitszeit. Das mit dem Firmenwagen, der beim letztjährigen Mitarbeitergespräch in Aussicht gestellt wurde für dieses Jahr, ist jetzt leider hinfällig, schade, aber frau kann nicht alles haben.

Bauchgefühle

Dass ich mich freue Oma zu werden ist kein Geheimnis. Wie sehr ich es mir wünschte, sicherlich schon. 

Ich offenbarte  Shanice vor einiger Zeit: „Ich will mal Oma werden.“ Sie fragte mich, wie das gehen soll, ohne Partner.  Das ist sicher ein komischer “Wunsch” an jemanden der gerade ganz woanders steht im Leben.

 „Jedes Mittel ist erlaubt,“ sagte ich und dachte dabei, ich gebe zu, an künstliche Befruchtung.

Ich hätte mir eine künstliche Befruchtung nicht gewünscht, aber um Oma zu werden?!  Wer mich kennt weiß, das ist scherzhaft gemeint. Hätte ich die Wahl gehabt, ich hätte immer die natürliche Befruchtung gewählt. Ich bin kein Fan davon, in die Natur Gottes ein zu greifen, ich glaube, dass Gott Leben gibt und leitet. Mich fragt ja mal wieder keiner. 

Wie komme ich darauf, dass Shanice mich vorerst nicht zur Oma macht? 

Sie hatte ein Leben, da passte nichts hinein für das frau Verantwortung übernimmt. Ihr Leben war zu dem Zeitpunkt, als sie Ugur kennen lernte, fast perfekt. Sie hatte sich viele Dinge gegönnt und das schien so weiter zu gehen. 

Auf die Idee, dass mich Calvin zur Oma macht, bzw. den Aspekt, dass das auch eine reale Möglichkeit wäre, schob ich beiseite, aus folgendem Grund: Wenn Söhne mit ihrer Partnerin Kinder bekommen, verlagern sich enge familiäre Kontakte eher zur Familie der Partnerin. Da Calvin und ich schon heute wenig Kontakt haben, mache ich mir da wenig Hoffnung, dass es mit einem Enkelkind besser wird. Töchter bleiben eher bei der Herkunftsfamilie. Frauen sind in der Paarbeziehung für soziale Dinge   „zuständig“.  Kontakte herstellen, halten und pflegen. Ich nehme die Steinzeit als Beispiel: „ Männer gingen auf die Jagd, sorgten für den Erhalt und Schutz der Familie. Frauen blieben in der Höhle und sorgten dafür, dass die Kinder versorgt wurden,dass die Höhle sauber und aufgeräumt war, dass das Feuer nicht erlosch, die Großeltern versorgt waren und das Essen zubereitet wurde.

Als Shanice und Ugur aus ihrem Thailandurlaub, im November 2025, zurück kehrten, holte ich sie vom Flughafen in Frankfurt ab. In Mannheim angekommen, gingen wir zu Görtz, auf ein  Frühstück. Wir plauderten über den Urlaub und kamen irgendwann auf das Thema “Kinder bekommen”. Ich weiß nicht, warum wir ( besser gesagt: “Ich”) wieder auf dieses Thema kamen, aber ich muss wohl die Initiatorin gewesen sein, denn die beiden mieden das Thema, das stellte sich später heraus. Ich versuchte die beiden davon zu überzeugen, dass es gut sei viele Kinder zu haben und bot mich schon mal als Betreuerin an. Ich meinte das nicht “toternst”, ich war einfach glücklich über deren Beziehung und wollte das damit besiegeln, denke ich. 

Es war kein realistischer Gedanke, den ich ausgesprochen hätte, wenn Shanice mich um meine Einschätzung gebeten hätte, den besten Zeitpunkt des schwanger werdens zu nennen. Meine mütterliche Empfehlung wäre gewesen, die Beziehung zu festigen, sich kennen zu lernen und die Wohnsituation zu verbessern,                   aber mich fragt ja keiner.

 Ich bemerkte das Desinteresse an dem Thema und dachte, dass ich jetzt besser aufhören sollte, bevor sie genervt und ohne mich das Café verließen.

Es war der vierte Dezember 2025, es sollte noch zwei Tage dauern, bis ich erfuhr, dass ich Oma werde.

Baby- / Genderparty

Es ist Mittwoch, ein Baby TV Termin (Ultraschall) bei der Gynäkologin steht heute an. Shanice ist in der 17. Schwangerschaftswoche.

Diese Termine sind immer aufregend. Man sieht sein Baby, dieses unfassbare Meisterwerk Mensch, das da in einem heranwächst, welches Gott so gut kreiert hat. Übrigens nicht das einzige Meisterwerk von Ihm. 

Die Gynäkologin sieht das Geschlecht des Kindes im Ultraschall eindeutig, es liegt so günstig, dass es keine Zweifel gibt.

Interessant, dass das Geschlecht schon bei der Befruchtung festgelegt wird. Der Wettlauf der Spermien, wer zuerst an der Eizelle ist X oder Y Chromosom.

Da Shanice und Ugur eine Genderparty geplant haben, lassen sie sich das Geschlecht heute von nicht von der Ärztin sagen. Sie bitten die Ärztin dies auf auf einem Zettel zu notieren  und im Mutterpass zu deponieren.

Wir Alle wollen uns überraschen lassen, also halten wir aus, noch drei Tage bis zur Babyparty.

Endlich Samstag und das Geheimnis wird gelüftet.

Die Idee das Geheimnis sichtbar zu machen ist folgende: Beide sitzen sich mit verbundenen Augen, in weiße Shirts gekleidet, gegenüber auf dem Boden. Sie tauchen ihre Hände in Farbe und drücken ihre Handabdrücke auf das Shirt des jeweils anderen. Wenn sie die Augen dann öffnen, sehen sie rosa oder blau, also traditionell Mädchen oder Junge.

Das Ganze ist eine logistische Herausforderung, außerdem haben beide perfektionistische Ansprüche, was die Fotos und Videos angeht. Während den Diskussionen haben Calvin und ich uns anderweitig beschäftigt.

Für mich beginnt die Vorbereitung Donnerstags. Da ich den beiden eine Windeltorte mache, überlege ich, wie ich den Transport des Prachtstücks in Shanice’ Wohnung am einfachsten bewerkstellige:

Ich könnte die Windeln schonmal vorbereiten und in einen Karton packen, um vor Ort daraus eine Torte zu machen. Da ich noch einen Käsekuchen backen will, scheint es mir sinnvoller die Party in meiner Wohnung statt finden zu lassen. Dann könnte ich die Torte schon fertig machen und vor Ort präsentieren. Eine gute Idee, von der ich  Shanice überzeugen kann. 

 Drei Pakete Windeln in verschiedenen Größen mussten besorgt werden, das klingt einfacher, als es ist. Denn ich werde nicht einfach nur Windeln kaufen, ein Preisvergleich steht dem Ganzen bevor.

Zuerst wird das beste Angebot ausgesucht, dazu einige Prospekte durchgeschaut, zusätzlich wird vor Ort ein Preisvergleich vorgenommen. DM hat den Wettbewerb gewonnen.

Aktuell sind nirgends Windeln im Angebot. Ich  entscheide mich für dm und somit 1500 Paybackpunkte mehr auf meinem Konto. 

Jetzt  müssen alle Windeln ( insgesamt 150 Stück) noch gerollt und mit einem Gummi fixiert werden, um sie anschließend irgendwie auf das Tablett zu drapieren, irgendwie klingt gut.

Das ganze war nicht so einfach wie ich dachte. Von wegen einfach auf das Tablett schichten. Schleife drumherum binden und fertig.  

Etwas naiv gedacht, es war eine nervliche Geduldsprobe, wie sich zeigte. Mehrere Versuche, sind notwendig, weil die Windeln nicht einfach stehen bleiben. Ich probiere verschiedene Methoden aus, bis es sicher hält. Es ist geschafft. Noch ein paar Schleifen und Wunderkerzen und fertig ist die Torte. 

Samstag, es geht los…

Shanice und Ugur sitzen auf dem Boden, wie bereits beschrieben, mit weißen Shirts bekleidet. Für die Augenbinden habe ich Baumwolljersey besorgt, weil der nicht ausfranst, ergo muss man den nicht umnähen. Es gab bei Senci ein Reststück gefunden, das diesen Zweck erfüllte. Ich schnitt daraus drei, 20 cm breite Streifen und fertig waren die Augenbinden.

Auf der weißen Unterlage am Boden lagen noch rosa- und blaue Luftballons, ein paar Babyschuhe und die Ultraschallbilder, als Deko. 

Nachdem wir drei die Augenbinden angelegt hatten, ging Calvin in die Küche und öffnete den „Zettel“. Ich war so aufgeregt.

Calvin kamen beim lesen des Geschlechts sofort die Tränen vor Rührung.

Er leerte die entsprechende Textilfarbe, Shanice besorgte je ein Glas rosa und blau, auf den vorbereiteten Teller und reichte ihn Shanice und Ugur, alles Kameratauglich, wie auf Insta zu sehen ist. Die Aufregung steigerte sich.

wir waren alle erleichtert und glücklich, als wir die Augenbinden abnahmen.

„Jaaaaa…. es ist“ die Auflösung gibts auf Instagram bei: flemming_bianca oder cagdasugurtas oder shanice_flmg

Unperfekt

Die 20te Schwangerschaftswoche ist angebrochen. Wenn ich Shanice sehe, mit dem Babybauch, macht mich das glücklich. 

Das Yoga tut ihr gut. Zudem hat sie einen Pilateskurs begonnen, sie wollte beides ausprobieren. Ich weiß nicht, ob es Kurse gab, als ich schwanger war. Ich erinnere mich an Geburtsvorbereitungskurse an Krankenhäusern, ich habe leider keinen besucht. Ich denke, das hat alles zugenommen, als es mit dem Internet begann. Die Kurse wurden in Fitnessstudios integriert und im Internet beworben.

Als ich schwanger war, gab es zwar Handys, aber es war so etwas außergewöhnliches, dass ich mich traute das auszuprobieren. Internet? Die Anfänge waren da. Mitte der 90er wurde Internet für Privathaushalte verfügbar. Erinnert ihr euch noch an den Werbespot von Boris Becker? „Ich bin drin“, sagte er.

Schwangere Frauen sind  immer schön. Das Symbol für Leben und Fürsorge. Diese starken, sowie positiven Bedeutungen werden unbewusst als schön und  berührend empfunden. 

Wenn wir gemeinsam laufen, stelle ich immer wieder fest, dass die Menschen auf den Babybauch schauen, ich freue mich, dass sie wahrscheinlich in dem Moment des Blicks auf den Babybauch diese Empfindungen des Glücks haben. 

Dass ich Oma werde, ist unfassbar. So unendlich schön, es ist eine Story die ein nicht sichtbares, scheinbar unendliches Ende hat. 

Ich hoffe, es folgen noch viel mehr Enkel.

„Ja, ist ja schon gut, ich weiss, sie soll erst mal das Eine kriegen.“ 

Mein ganz eigener, persönlicher Mutter-Familienwunsch  für mein eigenes Leben waren  5 Kinder oder so, lang ist´s her. Aber es  gibt ja auch Calvin, der könnte auch Vater werden, wenn er wollte.

 Ich kann mir die beiden gar nicht vorstellen als Eltern. Nicht, dass ich es ihnen nicht zutraue. Bekanntlich wächst der Mensch mit seinen Aufgaben. 

Es sind halt immer noch meine Kinder, keine kleinen Kinder, aber die Kinder, die ich begleitet habe beim Erwachsen werden. 

Und jetzt ? Ist bald ein Kind, eine Prinzessin da, die „Mama“ sagt zu meiner Kleinen. 

Sie bleiben meine Kinder, ihres und mein ganzes Leben lang, ganz klar. 

Aber,  wo ist nur die Zeit geblieben? Sie waren doch gestern noch klein, ich habe sie vom Kindergarten abgeholt. Jetzt holen sie bald ihre eigenen Kinder vom Kindergarten ab. Der Lauf des Lebens.

Ich freue mich, dass Shanice während ihrer Schwangerschaft einen zuverlässigen, liebevollen, verantwortungsvollen Partner an der Seite hat.

Perfekt, wollen wir nicht, weil es das nicht gibt. In der realen Welt gibt es keine “Perfektion”.Zumindest nicht dauerhaft und fehlerfrei. Alles, was von Menschen gemacht oder Naturgesetzen beeinflusst wird, ist begrenzt und störanfällig.

Ich werde eine unperfekte, störanfällige Oma sein und freue mich sehr darauf.

Nala-Helen

Fast geschafft. Rein gefühlsmäßig steht die Geburt vor der Tür. 

Wir haben das Gesicht von unserem kleinen Mädchen gesehen, die Schamlippen und den Daumen, den sie übrigens nach oben streckte. Als wollte sie sagen:“ Alles gut hier drin, bei mir, in meiner Höhle“. Was will Eltern mehr. Das macht glücklich und zufrieden, Oma übrigens auch.

Wir können einfach gelassen abwarten und die Zeit genießen… 

Shanice und Ugur ließen eine Feindiagnostik-Untersuchung machen, bei der, wie der Name schon sagt, Feindiagnostik gemacht wird. Ich habe das bei Calvins Schwangerschaft auch gemacht, damals waren die Blutwerte erstmal nicht in Ordnung, was sich als nicht richtig heraus stellte, aber die Feindiagnostik wurde gemacht, um festzustellen, ob eine Behinderung, zum Beispiel Trisomie 21, möglich ist. Wenn die Feindiagnostik entsprechend ausgefallen wäre, hätten wir entscheiden müssen, ob Fruchtwasser entnommen wird, um weitere Untersuchungen zu machen, bzw. zu einer sicheren Diagnose zu gelangen. Gott sei Dank mussten wir das nicht entscheiden. Der Junge kam gesund auf die Welt.

… Die Zeit, in der der Bauch wächst, Anschaffungen gemacht werden und in der der Nestbau-Trieb befriedigt wird. 

Und wie er befriedigt wird. 

Farbe, Farbrollen, Abdeckfolie, Abstreifgitter usw landen im Einkaufswagen beim Besuch im Bauhaus. 

Als ich mit Ugur telefoniere, erzählte er mir: “ Als Shanice heute Morgen die Augen kaum geöffnet hatte, rief sie schon „Gehen wir zu Ikea?!“ 

Nach dem Motto: „Good Wife – good Life“, erfüllt Ugur Shanice dann diesen Wunsch.

Nach einem kurzen Kaffee geht es los. Die Einkaufstour kann starten. 

Nach Ikea geht’s zu XXX Lutz, dort werden die beiden hinsichtlich des Sitzmöbels für das neue Wohnzimmer fündig. Eine grüne Couch in Cord. Ich werde per Videochat dazu geschaltet. Knapp ein Viertel Jahr ist die Lieferzeit.

In Planung ist jetzt, aus der bestehenden WG- Wohnung, die Shanice und Calvin bewohnten, ein Familiennest zu machen. Aus dem zweiten WG Zimmer wird das Wohnzimmer. 

Ugur gibt seine Singlewohnung an Calvin ab, der sich, mit Recht,  auf seine erste eigene Wohnung freut. Das wird für alle drei ein neuer Lebensabschnitt.

Bisher haben Shanice und Calvin fast ununterbrochen zusammen in einer Wohnung gelebt. Jetzt trennen sich ihre Wege, für beide aus schönen Gründen.

Für Ugur wird es ebenso ein neuer fester Wohnsitz, jetzt als Familie, das Singleleben ist beendet.

Im Flur sind mittlerweile zwei Wände in einem wunderschönen Lindgrün, der Name der Farbe ist “Sanfter Morgentau”, gestrichen. Die restlichen Wände bekamen einen Anstrich in Vanille. Ein wenig umdekoriert (es gibt jetzt echte Zimmerpflanzen in diesem Haushalt) und das Schuhregal neu angebracht. Die Sneaker darauf sind ebenfalls sehr dekorativ.

Das Schlafzimmer glich ebenso einer Baustelle, mittlerweile ist alles wiederhergestellt, manche Wände in Vanille gestrichen und einige Wände in “Essenz der Natur”, ein sehr schöner Grünton. Alles steht an seinem Platz und es wurde ein wenig aussortiert. Dinge die frau lange nicht brauchte oder überflüssig wurden, landen im Müll, oder werden weitergegeben.

Als nächstes rückt das Bad ins Visier der Umorganisation, beziehungsweise “Verschönerungsmaßnahme” oder „Nestbautrieb-Befriedung“. Bei Ikea werden Regale dafür gekauft. 

Nebenbei macht Ugur noch seinen LKW CE Führerschein. Die Klasse  C für LKW  hat er bereits. Seit vielen Jahren übt er den Beruf des LKW-Fahrers aus. Er fuhr mit seinem LKW quer durch Europa und wohnte in dieser Zeit im LKW. Seine eigentliche Vision war, nach Amerika zu gehen, um dort LKW zu fahren. Doch dann kam es anders. 

Gewachsen und erwachsen

Ich freue mich sehr darüber, dass dieses Kind, meine erste Enkeltochter, von allen Seiten so sehr willkommen ist. 

Zwar war sie nicht geplant, aber umso mehr gewünscht. 

Die Eltern freuen sich und lassen uns an allem teilhaben, berichten von jeder Neuigkeit und jedem Fortschritt. Sogar eine App, die die Entwicklung des Kindes zeigt, haben wir auf unseren Smartphones installiert.

Es ist tatsächlich sehr süß, wenn man auf den Bauch schaut und sieht,  wie von innen eine Bewegung stattfindet.

Am liebsten würde ich sehen, was sie gerade macht, ein wenig Bauchkino, sehen, ob sie sich dreht oder Gymnastik macht. Spätestens dann verliebt man sich in dieses kleine Wesen, obwohl man es nicht kennt. 

Shanice erzählt, dass sie sehr lebendig ist und sich viel bewegt. Sie hat sich auch wieder gedreht. Sie lag lange Zeit mit dem Kopf im Becken, jetzt ist der Kopf wieder oben. 

Ich freu mich sehr darauf, wenn sie endlich da ist, wenn meine Bilder im Kopf Realität werden, es ist eine nicht endende Freude. Vor 12 Monaten konnte ich mir gar nicht vorstellen, dass eines meiner Kinder Eltern wird. 

Oft denke ich zurück. An meine Schwangerschaften und frage mich, wie das bei mir war oder vergleiche beispielsweise bei den Bewegungen des Kindes. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich so früh, wie Shanice zur Zeit, Bewegungen bemerkt habe, oder war ich zu beschäftigt?

Mein Bauchumfang war in der ersten Schwangerschaft so groß, dass man fast ein Gefäß darauf hätte abstellen können. Die Bewegungen des Embryos waren moderat, doch  jedesmal ein besonderes Erlebnis. Es war faszinierend zu beobachten, wie sich die Bauchdecke wölbte und bewegte – als würde jemand von innen daran entlang streichen. Immer wieder stellte ich mir die Frage:” Was macht unser Baby gerade? „Ist es der Fuß, der Kopf, die Hand, der Po, der sich  da entlang bewegt.“

Wir wussten, genauso wie Shanice und Ugur heute, schon sehr früh, welches Geschlecht unser Kind haben würde. 

Ehrlich gesagt, war ich im ersten Moment traurig, als ich erfuhr, dass wir ein Mädchen bekommen würden, weil ich fest damit gerechnet hatte, einen Jungen zu bekommen.

Doch diese Gefühle hielten nicht lange an. Schon nach ein paar Tagen wurde mir bewusst,  dass es  nicht um meine Wünsche geht. Der Mensch denkt und Gott lenkt.

Ich konnte mich sehr schnell auf ein “Mädchen” einstellen und bin bis heute froh darüber, dass es so gekommen ist. Ich habe eine wunderbare Tochter – und als zusätzliches  Geschenk bekam ich 13 Monate später noch einen Jungen.

Ich bin sehr dankbar,  Mutter sein zu dürfen und meine Kinder in mir tragen zu können – das ist für mich eine große Ehre. 

Zunächst sah es nicht danach aus, dass ich überhaupt schwanger werden könnte. 

Im Alter von ca. 20 Jahren wurde mir ein Eileiter entfernt. Die OP war nötig, weil der Eileiter stark entzündet und vereitert war. Ich erinnere mich noch gut daran, dass es mir gesundheitlich eine ganze Zeit nicht gut ging. Weder der Internist, noch der Urologe konnten mir helfen, weshalb ich schließlich einen Gynäkologen aufsuchte. Dieser stellte die Diagnose und überwies mich umgehend ins Krankenhaus. Ich wurde noch am selben Tag operiert. 

Etwa 10 Jahre später wurde ich Mutter, 1995 zum ersten Mal und 1996 zum zweiten Mal. 1996 trennten sich der Vater meiner Kinder und ich.

Heute wird Calvin 30, Happy Birthday mein Herz.

30 Jahre alt zu werden bedeutete für mich, wirklich erwachsen geworden zu sein. Lange hatte ich geglaubt, dass man mit 18 erwachsen ist, so hatte ich es immer gehört. Doch erst mit 30 habe ich es nicht nur gedacht, sondern tief in mir gespürt. Es war kein plötzlicher Moment, sondern eher ein leises Ankommen, ein inneres Verstehen und eine neue Klarheit über mich selbst und mein Leben.

Endspurt

Wie die Zeit vergeht …

Shanice befindet sich inzwischen im dritten Trimester. Das Schwangersein steht ihr gut. Mit sichtbarem Stolz trägt sie ihren Babybauch vor sich her, und mit jedem Tag wachsen Neugier und Spannung: Wie wird es wohl sein, wenn sie endlich da ist?

Momentan schläft sie besser. Ich hoffe, das bleibt so — auch wenn das vermutlich eher Wunschdenken ist.

Ich freue mich unendlich auf diesen neuen Lebensabschnitt. Gleichzeitig führt er mir deutlicher denn je vor Augen, dass auch ich älter werde. Theoretisch weiß man das natürlich seit der Geburt: Das Leben ist endlich. Doch manchmal rückt diese Erkenntnis plötzlich unangenehm nah.

Vielleicht denke ich deshalb inzwischen häufiger darüber nach, ob all die Veränderungen der letzten Jahre tatsächlich dazu beitragen, mein Leben zu verlängern. Vor rund 25 Jahren habe ich aufgehört zu rauchen. Sport begleitet mich schon seit dem frühen Erwachsenenalter — mal konsequenter, mal weniger. Nur mit der Ernährung wollte es lange Zeit nicht wirklich funktionieren. Die Chips einfach von rechts nach links zu legen, war eben doch keine echte Ernährungsumstellung.

Erst vor etwa sechs Monaten hat sich daran grundlegend etwas geändert. Endlich hat die Vernunft gesiegt.

Im EMS-Studio wurde für mich ein Ernährungsplan erstellt. Früher hätte ich nie gedacht, dass ich einmal freiwillig und sogar gerne Haferflocken essen würde. Heute starte ich jeden Morgen mit 60 Gramm Haferflocken, 200 Gramm Skyr und Mandelmilch in den Tag. Damit springt der Menschenmotor an.

Ich achte inzwischen bewusst auf proteinreiche Ernährung und viele Ballaststoffe. Süßigkeiten habe ich mir schon vor längerer Zeit weitgehend abgewöhnt. Natürlich esse ich hin und wieder noch Naschereien, aber ich kaufe nicht mehr wahllos mehrere Sorten Zucker- und Fettbomben auf Vorrat. Seit der Ernährungsumstellung sind auch die Heißhungerattacken verschwunden. Das macht es leichter, vernünftig zu bleiben.

Und tatsächlich genieße ich inzwischen dieses Gefühl, über den inneren Impuls zu siegen — Disziplin als Waffe gegen die eigenen Schwächen einzusetzen.

Dabei war der Weg dorthin alles andere als leicht.

2014 erlebte ich eine emotional extrem belastende Zeit. Rückblickend glaube ich, dass genau diese Phase der Auslöser für mein Hashimoto war. Nach der Arbeit konnte ich damals kaum noch etwas anderes tun als essen und schlafen. Die Fettpolster kamen zuverlässig, und ich redete mir ein, ich würde mir damit etwas Gutes tun. Heute weiß ich, dass genau das das Problem war.

Seit gut zwei Jahren mache ich nun regelmäßig einmal pro Woche EMS-Training. Den inneren Schweinehund habe ich inzwischen weitgehend besiegt. Es stellt sich nicht mehr die Frage, ob ich zum Sport gehe — ich gehe einfach.

Zusätzlich trainiere ich seit etwa sechs Wochen im Fitnessstudio. Wegen eines beginnenden Bluthochdrucks riet mir meine Ärztin, gezielt meine Kondition zu verbessern. Da ich weder Freude an klassischen Cardiogeräten noch am Joggen oder Walken habe, versuche ich nun, das Ganze über verschiedene Kurse im Studio anzugehen.

Was spricht eigentlich dagegen, 100 Jahre alt zu werden – und dabei so gesund und voller Energie zu bleiben, dass ich mein Oma-Dasein noch viele Jahre bewusst, lebendig und mit Freude genießen kann?

Wachstum

Habe ich eigentlich schon erwähnt, wie sehr ich es kaum erwarten kann, bis unser kleines, süßes Baby endlich da ist? Den werdenden Eltern geht es genauso. Vor Kurzem waren wir bei der Feindiagnostik — und dieses Mal durfte ich statt des Vaters dabei sein. Als wir dort das 3D-Ultraschallbild gesehen haben, ist die Vorfreude und Neugier noch einmal deutlich gewachsen.

Seitdem kreisen die Gedanken ständig um Fragen wie:
Wie wird wohl der Alltag mit einem Baby sein? Wird sie viel weinen? Am liebsten natürlich gar nicht — denn das macht einen schnell nervös. Oft hört man von Kindern, die angeblich ganz „unkompliziert“ gewesen seien. Trotzdem möchte ich nicht von einem „Problem“ sprechen.

Denn, wenn ein Baby wächst, sich entwickelt und dabei Bedürfnisse oder Irritationen entstehen, weint es eben, wie soll es sich sonst ausdrücken?!

Wie soll ein Baby sonst zeigen, dass ihm etwas fehlt oder dass es gerade etwas braucht? Es kann schließlich nur auf eine Weise kommunizieren: Durch Weinen, schluchzen, Töne von sich geben.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie verzweifelt ich manchmal war, weil ich einfach nicht wusste, wie ich meinem Kind helfen konnte. Man probiert alles Mögliche aus — und gefühlt hilft nichts. Irgendwann scheint es dann plötzlich besser zu werden. Oft weiß man allerdings gar nicht, ob man tatsächlich genau das Richtige für diesen Moment gefunden hat oder ob sich das Problem einfach von selbst wieder gelegt hat.

In dieser Zeit gab es kein Internet, auf das man selbstverständlich zugreifen konnte, nach Antworten suchen oder ChatGPT fragen konnte, was der sinnvollste Weg sei. Heute ist das ein Segen – und zugleich ein Fluch. Denn je mehr Informationen verfügbar sind, desto leichter verliert man sich in ihnen. Statt Klarheit zu gewinnen, findet man oft neue Fragen, neue Unsicherheiten und immer weitere Dinge, die Aufmerksamkeit verlangen.

Das Zauberwort lautet für mich: „Intuition“.

Auf das eigene Bauchgefühl zu hören, es zu schulen und ihm zu vertrauen, ist eine Fähigkeit, die mit der Zeit wächst.

Mein Internet waren damals Bücher. Ich habe sie verschlungen, eines nach dem anderen. Wissbegierig nahm ich alles auf, was ich finden konnte. Doch irgendwann kam der Punkt, an dem ich nicht mehr weiterlesen wollte. Mein Kopf war gefüllt mit Gedanken, Ideen und Erkenntnissen – so vielen, dass es zunehmend schwerfiel, sie zu ordnen und ihnen einen Platz zu geben.

Also traf ich eine Entscheidung: Ich hörte auf, nach immer neuen Antworten, Ideen, Erkenntnissen, neuesten Forschungsergebnissen zu suchen. Stattdessen begann ich, auf das zu vertrauen, was bereits in mir war. Auf mein Bauchgefühl.

Diese Entscheidung brachte eine unerwartete Erleichterung mit sich. Mir wurde bewusst, dass ich mich längst mit ausreichend Wissen genährt hatte. Was mir fehlte, waren nicht weitere Informationen, sondern das Vertrauen in die eigene innere Stimme. Seitdem weiß ich: Irgendwann kommt der Moment, in dem man aufhören muss zu suchen, um beginnen zu können, sich selbst zuzuhören.

Die Geburt meiner Kinder war ein tiefgreifendes Ereignis, das ich niemals missen möchte. Die erste Geburt war eine Spontangeburt, die zweite Geburt ein Kaiserschnitt. Beide Geburten haben sich unauslöschlich in mein Herz eingeprägt. Intensiv, überwältigend und voller Emotionen. Momente, in denen sich das Wunder des Lebens auf eine Weise offenbarte, die sich kaum in Worte fassen lassen. Mit der ersten Begegnung wurde aus der Vorstellung eines Kindes Wirklichkeit, und aus mir wurde eine Mutter. Ein Augenblick, der mein Leben für immer verändert hat.

Ich habe zwei wunderbare Kinder, auf die ich sehr stolz bin. Durch die Partnerschaft von Shanice und Ugur ist unsere Familie weiter gewachsen, sodass ich nun das Glück habe zwei Söhne und eine Tochter zu haben. Ich werde Großmutter und habe dann noch eine Enkeltochter. Schon immer war es mein Traum eine kinderreiche Familie zu haben. Zu sehen, wie sich dieser Wunsch erfüllt und unsere Familie von Generation zu Generation wächst, erfüllt mich mit großer Freude und Dankbarkeit. 

Endlich Mutterschutz

Das bedeutet: Nur noch wenige Wochen bis zur Geburt. Und gleichzeitig fühlt es sich an wie eine Ewigkeit.

Habe ich schon erwähnt, wie sehr ich darauf warte, dieses kleine Wesen endlich in meinen Armen zu halten? Ich kann es kaum erwarten. Und doch möchte ich jede einzelne Sekunde dieser letzten Wochen bewusst erleben und genießen. Genauso wie ich später jede Sekunde genießen werde, in der sie in meinen Armen liegt.

Shanice‘ Bauch ist inzwischen rund und prall. Tag für Tag wächst unser kleines Mädchen und legt ordentlich an Gewicht zu. Auch das Zuhause hat sich verändert. Aus der WG ist nach und nach ein Familiennest geworden.

Im Wohnzimmer steht nun ein wunderschönes Sofa aus Cord in einem modernen Grünton. Die Wände haben einen frischen Anstrich bekommen, alles wirkt warm und harmonisch. Im Schlafzimmer wartet bereits ein weißes Beistellbett mit einem beigefarbenen Bezug und einem geflochtenen Nestchen. Direkt neben dem Elternbett. 

Ein zweites KFZ wurde bereits angeschafft. Zwar braucht es Ugur gerade, um zu seinem Arbeitsplatz zu kommen, er beginnt seine Arbeit im Rheinauer Hafen bereits um 5:00 Uhr. Aber wir haben auch festgestellt, dass wir, wenn die Prinzessin da ist, als Familie nur mit 2 Autos  weitere Strecken bewältigen können. 

Shanice hat inzwischen alle kleinen Anziehsachen für unsere Maus gewaschen. Heute haben wir uns gemeinsam daran gemacht, die Wickelkommode einzuräumen, die winzigen Kleidungsstücke liebevoll zusammenzulegen und zu überlegen, was später im Alltag am praktischsten seinen Platz finden wird.

Es sind genau diese kleinen Momente, die die Wartezeit so besonders machen. Mit jedem Handgriff wächst die Vorfreude und die Vorstellung davon, wie unser Leben aussehen wird, wenn sie endlich bei uns ist. Es sind Augenblicke voller Glück, Vorfreude und ganz vieler Gedanken an die Zukunft.

Auch Ugur schmiedet bereits fleißig Pläne für die Zeit mit seiner kleinen Prinzessin. Für ihn steht fest, dass sie seine Heimat kennenlernen wird – ein wunderschöner Gedanke, denn so wird sie von Anfang an beide Teile ihrer Wurzeln erleben dürfen. Er freut sich schon darauf, mit ihr Fahrrad zu fahren, ihr die Welt zu zeigen und ihr unterwegs all die kleinen und großen Dinge zu erklären, die Kinderaugen zum Leuchten bringen.

Ich wünsche mir sehr, dass die beiden sich einen Fahrradanhänger anschaffen. Wie schön wäre es, gemeinsam mit unserer kleinen Prinzessin auf Entdeckungstour zu gehen und unvergessliche Fahrradausflüge zu erleben.

Und noch etwas sorgt schon jetzt für ein kleines Schmunzeln: Ihr Name wurde bereits auf Instagram „reserviert“. Ich muss euch allerdings enttäuschen – der Account ist privat. Aber seien wir ehrlich: Was hättet ihr auch erwartet? Ein Papa, der seiner Tochter schon vor ihrer Geburt einen Instagram-Account anlegt, wird sie wohl kaum direkt der ganzen Welt präsentieren

Shanice hat  bereits Übungswehen und ist überzeugt, dass die Geburt vor dem errechneten Geburtstermin stattfinden wird. Sicherheitshalber haben die beiden sogar die Fahrt zur Klinik schon einmal geprobt. Man kann also sagen: Sie sind bestens vorbereitet und warten nun voller Spannung auf die Ankunft ihres kleinen Wunders. Am Wochenende haben die beiden den Geburtsvorbereitungskurs absolviert. All die Dinge, die bisher “zukünftig” gedacht waren, sind nun vorüber. Geburtsvorbereitungskurs, Ugurs Geburtstag, KFZ Kauf, Babybettchen, Wickelkommode uvm. Wir rechnen täglich damit, dass es los gehen könnte. Bei jedem ungeplanten Anruf von Shanice denke ich: “ Das könnte der Anruf sein.”, der das ganze ins Rollen bringt.

Mein Status – OMA –

Sie ist da – endlich hat das Warten ein Ende.

Am 18. Juli um 10:00 Uhr (Samstag) kam Nala Helen mit 3.400 Gramm und 52 Zentimetern in unsere Mitte.  Und sehr wahrscheinlich fiel ihr erster Blick direkt auf ihren Papa. Denn der war von Anfang an hautnah dabei.

Nicht nur zum Massieren oder um die Wehen wegzuatmen – zeitweise hätte er Nala am liebsten selbst zur Welt gebracht. Er stand Shanice in fast nichts nach. Na ja, bis auf das kleine Wunder, das sie neun Monate lang unter ihrem Herzen getragen und schließlich geboren hat.

Die beiden haben das einfach unglaublich gut gemacht. Ich bin unendlich stolz auf sie.

Als ich am Freitag erfahren habe, dass die Wehen eingesetzt hatten, begann für mich eine ganz eigene emotionale Achterbahnfahrt. Bis Samstagabend wusste ich weder, wohin mit mir, noch warum ich mich so fühlte.

Ich war völlig neben der Spur und konnte mit mir selbst nichts anfangen. Alles, was mir sonst gute Laune macht, verlor plötzlich seinen Reiz. Sekt? Schokolade? Gummibärchen? Döner? Pizza? Jeder Gedanke daran wurde genauso schnell wieder verworfen.

Es blieb nur eins: aushalten, beten, innehalten und den Moment genießen. Das Warten auf dieses kleine Wunder war jede einzelne Gefühlsregung wert.

Sie ist so süß. Ich habe diesen Satz schon unzählige Male ausgesprochen. Es ist ein unbeschreiblich schönes Gefühl. Ich bin so dankbar, dass das Kind gesund und munter ist.

Mittlerweile ( Montag)  sind die drei zu Hause und üben Alltag. Ugur hat zwei Tage frei und muss mittwochs wieder arbeiten. Er hat ab August Elternzeit genommen und zur Zeit sind in der Firma viele Mitarbeiter in Urlaub, sodass er ganz Pflichtbewusst zur Arbeit geht.

Es beeindruckt mich, wie engagiert und mit welcher Hingabe er seine Rolle als Papa lebt. Er übernimmt Verantwortung und ist immer für seine Familie da. Zu sehen, mit wie viel Liebe und Fürsorge er seine neue Rolle als Vater ausfüllt, berührt mich sehr. Ich bin unendlich dankbar, einen so wunderbaren Menschen an Shanice‘  Seite zu wissen.

Die beiden ergänzen sich auf eine wunderbare Weise und meistern diesen neuen Lebensabschnitt als echtes Team.

Für Nala könnte ich mir keine besseren Eltern wünschen.

Heute, am Dienstag, hat sich die anfängliche Aufregung bereits etwas gelegt. Die Hebamme war inzwischen schon zweimal da und hat mit ihrer liebevollen Fürsorge, ihrer Erfahrung und ihrer ruhigen Art allen ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit vermittelt. So finden die drei Schritt für Schritt in ihren neuen Alltag als Familie. 

Ugur hat Schoko- Proteinkuchen gebacken und für alle Frühstück gemacht -nachmittags um 16 Uhr – es braucht halt noch Übung.

Nala schlief nach dem Stillen knapp 3 Stunden auf meiner Brust. Erwähnte ich schon, wie süß sie ist !? Leider geht auch dieser Tag zu Ende. Da wir uns die Tage der Woche aufgeteilt haben, bin ich erst wieder am Freitag dran, dafür den ganzen Tag. Ich freu mich drauf. 

Kommentare

  1. Avatar von Mrs. T

    🫶

    1. Avatar von bianca flemming

      :>

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